Bhatt DL, Steg PG, Miller M, Brinton EA, Jacobson TA, , Ketchum SB, ­Doyle RT Jr, Juliano RA, Jiao L, Granowitz C, Tarrdif J, Ballantyne CM; ­REDUCE-IT Investigators; Boston MA, USA; N Engl J Med 2019; 380: 11 – 22

Fragestellung: Patienten mit erhöhten Triglyzeridspiegeln zeigen eine erhöhtes Risiko für ischämische Ereignisse. Icosapentethyl, eine stark gereinigter Eicosapentaensäure, kann Triglyzeride senken, es werden jedoch Daten benötigt, die dessen Effekt auf ischämische Ereignisse untersuchen.

Methodik: Die Autoren führten eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie mit Patienten durch, die eine etablierte kardiovaskuläre Erkrankung oder einen Diabetes mellitus und andere Risikofaktoren aufwiesen, und die bereits mit einem Statin behandelt wurden und nüchtern Trigylzeridspiegel von 135 bis 499 ­mg­/­dl (1,52 bis 5,63 mmol/l) und LDL-Cholesterinspiegel von 41 bis 100 mg/dl (1,06 bis 2,59 mmol/l) aufwiesen. Die Patienten wurden randomisiert einem Therapiearm mit 2 g von Eicosapentaensäure zweimal täglich (Tagesdosis 4 g) oder Placebo zugeteilt. Primärer Endpunkt war die Kombination von kardiovaskulärem Tod, nicht-tödlichem Herzinfarkt, nicht-tödlichem Schlaganfall und koronarer Revaskularisation oder instabiler Angina pectoris. Sekundärer Endpunkt war die Kombination von kardiovaskulärem Tod, nicht tödlichem Myokardinfarkt oder nicht tödlichem Schlaganfall.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 8 179 Patienten (70,7 % für sekundäre Prävention kardiovaskulärer Ereignisse) rekrutiert und über eine mediane Dauer von 4,9 Jahren beobachtet. Der primäre Endpunkt ereignete sich bei 17,2 % der Patienten in der Eicosapentaensäure-Gruppe im Vergleich zu 22,0 % der Patienten unter Placebo (Hazard Ratio (HR) 0,75; 95 % Konfidenzintervall (KI) 0,68 – 0,83; p < 0,001). Die korrespondierenden Raten der sekundären Endpunkte betrugen 11,2 % und 14,8 % (HR 0,74; 95 % KI 0,65 – 0,83; p < 0,001). Die Raten zusätzlicher ischämischer Ereignisse, wie im vorher spezifierten hierarchischem Testschema vorgesehen, waren signifikant niedriger in der Eicosapentaensäure-Gruppe als in der Placebogruppe, wie kardiovaskulärer Tod (4,3 % vs. 5,2 %, HR 0,80; 95 % KI 0,66 – 0,98, p = 0,03). Ein größerer Prozentsatz von Patienten in der Eicosapentaensäure-Gruppe als in der Placebogruppe wurde aufgrund eines Vorhofflimmerns oder -flatterns ins Krankenhaus eingewiesen (3,1 % vs. 2,1 %, p = 0,004). Schwerwiegende Blutungen ereigneten sich bei 2,7 % der Patienten in der Eicosapentaensäure-Gruppe und bei 2,1 % in der Placebogruppe (p = 0,06).

Schlussfolgerung: Bei Patienten mit erhöhten Triglyzeriden konnte das Risiko ischämischer Ereignisse inkl. kardiovaskulärem Tod, sogar unter Gebrauch von Statinen, signifikant gesenkt werden, wenn 2 mal täglich 2 g Eicosapentaensäure gegeben wurde im Vergleich zu Placebo.

Kommentar: Eicosapentaensäure (EPA) ist eine mehrfach ungesättigte Fettsäure der Omega-3-Fettsäuren, sie findet sich in fetten Seefischen wie z. B. Lachs, ihr Vorläufer ist die alpha-Linolensäure. Vorangegangene Studien mit EPA hatten unterschiedliche Erfolge gezeigt, die aktuelle CVOT (kardiovaskuläre Outcomestudie) zeigt nun sehr beeindruckende Daten. Im begleitenden Editorial schreiben die Autoren „We welcome these results with surprise, speculation, and hope“ – basierend darauf, dass der wahrscheinlich pleiotrope Effekt über die Triglyzeridsenkung hinaus geht, unklar ist, warum auf einmal so gute Erfolge gesehen werden, und abgewartet werden muss, ob ähnliche Studien wie „STRENGTH“ mit einer anderen Fischölsorte Epanova, auch erfolgreich sind. Es bleibt also auch in diesem Bereich spannend.



Autorin: Prof. Dr. med. Nanette Schloot
Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (1) Seite 38-39