Geiss LS, Li Y, Hora I, Albright A, Rolka D, Gregg EW, Division of Diabetes Translation, Centers of Disease Control and Prevention, Atlanta, GA, USA; Diabetes Care 2019; 42: 50 – 54

Fragestellung: Es sollte bestimmt werden, ob sich die fallenden Trends von Amputationen der unteren Extremitäten in die laufende Dekade fortsetzen.

Methodik: Es wurden Hospitalisierungsraten berechnet wegen nichttraumatischer Amputationen der unteren Extremitäten (NLEA) für die Jahre 2000 bis 2015 anhand von national representativer, serieller Querschnittsdaten aus der nationsweiten Krankenhaus-Patienten-Gruppe mit NLEA-Prozeduren und der National Health Interview Survey zur Schätzung der Populationen mit und ohne Diabetes.

Ergebnisse: Altersadaptierte NLEA-Raten pro 1 000 Erwachsene mit Diabetes sanken um 43 % zwischen 2000 (5,38 [95 % CI 4,93 – 5,84]) und 2009 (3,09 [95 % CI 2,79 – 3,34]) (p < 0,001) und stiegen dann um 50 % an zwischen 2009 und 2015 (4,62 [95 % CI 4,25 – 5,00]) (p < 0,001). Im Gegensatz dazu fielen die altersadjustierten NLEA-Raten pro 1 000 Erwachsene ohne Diabetes um 22 % von 0,23 pro 1 000 (95 % CI 0,22 – 0,25) in 2000 auf 0,18 pro 1 000 (95 % CI 0,17 – 0,18) in 2015 (p < 0,001). Der Anstieg der diabetesassoziierten NLEA-Raten zwischen 2009 und 2015 wurde bewirkt durch eine 62 %ige Zunahme der Rate an Minoramputationen (von 2,03 [95 % CI 1,83 – 2,22] auf 3,29 [95 % CI 3,01 – 3,57], p < 0,001) und einem kleinen, aber auch statistisch signifikanten Anstieg an Majoramputationen (von 1,04 [95 % CI 0,94 – 1,13] auf 1,34 [95 % CI 1,22 – 1,45]). Die Zunahme der Raten an Gesamt-, Major- und Minoramputationen war am ausgeprägtesten in den jungen (Alter 18 – 44 Jahre) und den mittelalten (Alter 45 – 64 Jahre) Erwachsenen und ausgeprägter bei Männern als bei Frauen.

Schlussfolgerung: Nach einer Abnahme von Amputationen der unteren Extremitäten über 2 Dekaden erfährt die USA nun eine Umkehr des Fortschritts, besonders bei jungen und mittelalten Erwachsenen.

Kommentar: Durch intensive Aufklärungs- und Schulungskampagnen bei Patienten und Ärzten, nicht zuletzt auch durch die Gründung der International Working Group on the Diabetic Foot, in den 90er-Jahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends kam es endlich in etlichen, auch Europäischen, Nationen zum Rückgang der Amputationsraten der unteren Extremitäten an Patienten mit Diabetes, nachdem viele Jahre lang das Ziel der St. Vinzenz-Deklaration auf diesem Gebiet nicht erreicht worden war. Auch in Europa wurde die leichte Zunahme der Minoramputationen bemerkt, Folge der schnelleren und verbesserten Therapie des diabetischen Fußsyndroms. Der jetzt in USA beobachtete erneute Anstieg der Rate aller Amputationen der unteren Extremitäten kann 2 Faktoren geschuldet sein: 1. dem deutlichen Anstieg der Diabetes-Prävalenz mit einem parallelen Anstieg der Inzidenz des diabetischen Fußsyndroms und 2. einer erneuten Nachlässigkeit oder mangelhaften Information der jüngeren Erwachsenen im Umgang mit der Erkrankung Diabetes mellitus und ihren Komplikationen.



Autorin: Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz
Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie Ernährungsmedizin
DKD HELIOS Klinik
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (1) Seite 40