Kelly AS, Auerbach P, Barrientos-Perez M, Gies I, Hale PM, Marcus C, ­Mastrandrea LD, Prabhu N, Arslanian S; NN8022-4180 Trial Investigators; Minneapolis, USA; N Engl J Med. 2020; 382: 2117 – 2128

Fragestellung: Adipositas ist eine chronische Erkrankung mit limitierten therapeutischen Optionen bei pädiatrischen Patienten. Liraglutid könnte nützlich sein für das Gewichtsmanagement bei Adoleszenten mit Adipositas.

Methodik: In dieser randomisierten, doppelblinde Studie wurde die Therapie über 56 Wochen durchgeführt, anschließend wurden die Studienteilnehmer 26 Wochen nachbeobachtet. Rekrutiert wurden Adoleszente (12 bis < 18 Jahren) mit Adipositas und mangelndem Erfolg einer Lebensstiltherapie. Die Teilnehmer wurden randomisiert (1 : 1) der Therapie mit Liraglutid (3,0 mg) oder Placebo subkutan einmal täglich, ergänzend zur Lebensstiltherapie, zugeteilt. Primärer Endpunkt war die Veränderung des Standard-Deviation (SD)-Werts des Body-Mass-Index (BMI, Gewicht in Kilogramm geteilt durch die Quadratur der Höhe in Metern) an Woche 56 im Vergleich zu Studienbeginn.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 125 Teilnehmer der Liraglutid-Gruppe und 126 Teilnehmer der Placebo-Gruppe zugeteilt. Liraglutid war im Vergleich zu Placebo „superior“ für die Veränderung des BMI-Deviations-Scores in Woche 56 im Verhältnis zu Studienbeginn (geschätzte Differenz -0,22 %; 95 % Konfidenzintervall [KI] -0,37 bis-0,08, p = 0,002). Eine Reduktion des BMI von mindestens 5 % wurde bei 51 der 113 Teilnehmer in der Liraglutid-Gruppe und bei 20 der 105 Teilnehmer der Placebo-Gruppe gesehen (geschätzte Prozente, 43,3 % versus 18,7 %). Eine Reduktion des BMI von mindestens 10% wurde bei 33 bzw. 9 Teilnehmern gesehen (geschätzte Prozente, 26,1% versus 8,1 %). Eine stärkere Reduktion des BMI wurde für Liraglutid als für Placebo erreicht (geschätzte Differenz -4,5 kg [absolute Veränderung] und -5,01 Prozentpunkte [für die relative Veränderung]. Nach Abbruch der Studie stieg der BMI Standard-Deviations-Score stärker an unter Liraglutid als unter Placebo (geschätzter Unterschied 0,15; 95 % KI, 0,07 bis 0,23). Mehr Patienten in der Liraglutid-Gruppe als in der Placebo-Gruppe hatten gastrointestinale Ereignisse (81 von 125 [64,8 %] versus 46 von 126 [36,5 %]) und unerwünschte Ereignisse, die zum Studienabbruch führten (13 [10,4 %] versus 0). Wenige Teilnehmer in beiden Gruppen hatten schweren unerwünschte Ereignisse (3 [2,4 %] versus 5 [4,0 %]). Ein Suizid, der sich in der Liraglutid-Gruppe ereignete, wurde vom Prüfarzt als unwahrscheinlich eingestuft, dass Liraglutid hier der Grund war.

Schlussfolgerung: Bei Adoleszenten mit Adipositas führte die Behandlung mit Liraglutid 3,0 mg zusätzlich zur Lebensstiltherapie zu einer signifikant größeren Verminderung des BMI-Standard-Deviations-Scores als Placebo in Kombination mit Lebensstiltherapie. (Funded by Novo Nordisk; NN8022-4180 ClinicalTrials.gov number, NCT02918279.).

Kommentar: Bei Studienbeginn lag durchschnittlich der BMI-SD-Score in der Liraglutid-Gruppe bei 3,14, der BMI bei 35,3 kg/m² und das Körpergewicht bei 99,3 kg. Die Therapie mit Liraglutid war der Placebo-Behandlung überlegen, durchschnittlich nahmen die Jugendlichen in den 56 Wochen in der Liraglutid-Gruppe 2,26 kg Gewicht ab, unter Placebo nahmen sie 2,25 kg zu. Nach Therapieende nahm das Gewicht bei den Liraglutid-Vorbehandelten schneller zu, als bei den Placebo-Behandelten. Die Therapieadhärenz lag bei 80 %. Diese Studie zeigt, wie schwierig es ist, das Gewicht bei dieser Personengruppe zu reduzieren und dass eine medikamentöse Unterstützung dabei helfen kann, es jedoch nach Absetzen schnell wieder zu einem Gewichtsanstieg kommt.



Autorin: Prof. Dr. med. Nanette Schloot
Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2020; 20 (4) Seite 44