Aufgrund ihrer unterschiedlichen Inhaltsstoffe in den einzelnen Pflanzenteilen werden Blätter und Wurzeln der Heilpflanze heute erfolgreich bei verschiedenen Erkrankungen eingesetzt. Ein Spezial-Extrakt aus den Blättern hat sich als pflanzliches Antiphlogistikum bei Arthrose bewährt.

Positiv-Monografie und Inhaltsstoffe

Die 1987 von der Kommission E beim damaligen Bundesgesundheitsamt verabschiedete Monografie Brennnesselkraut bzw. -blätter nennt für die Droge Urtica dioica bzw. Urtica urens als Anwendungsgebiete:
  • zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden,
  • zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege,
  • als Durchspülung zur Vorbeugung und Behandlung von Nierengrieß

Die neueren internationalen Heilpflanzen-Monografien wie z. B. ESCOP, WHO und HMPC legen ihren Schwerpunkt auf die Indikation "Adjuvans bei der symptomatischen Behandlung von Arthritis, Arthrose und/oder rheumatischen Beschwerden" (ESCOP).

Als Gegenanzeige für die Droge ist zu beachten: "Keine Durchspülungstherapie bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit." Neben- und Wechselwirkungen sind nicht bekannt. An wirksamkeitsmitbestimmenden Inhaltsstoffen sind ungesättigte Fettsäuren, Flavonoide, Caffeoylchinasäuren (z. B. Caffeoyläpfelsäure) und Mineralstoffe (z. B. Kalium, Kalzium) zu nennen.

Zytokin-Inhibitor Brennnessel

In der Volksmedizin werden Brennnessel-Zubereitungen (Tee, Presssaft) schon lange bei Gelenkerkrankungen eingesetzt. Doch ein Durchbruch in der modernen Brennnessel-Therapie gelang erst mit der Isolierung sogenannter Oxylipine – aus den Blättern. Oxylipine sind die Oxidationsprodukte von mehrfach ungesättigten Fettsäuren mit Sauerstoff und ihre Metaboliten. Systematische Untersuchungen verschiedener Extrakte von Brennnesselblättern ergaben, dass das Oxylipin Hydroxyoctadecatriensäure (13-HOTE) deutlich antiinflammatorische Eigenschaften aufweist. Der inhibitorische Effekt von 13-HOTE auf die Ausschüttung der proinflammatorischen Zytokine TNF α und IL-1β sowie auf die Kollagenase und das Stromelysin konnte in vitro nachgewiesen werden. Darüber hinaus wurde die Bindung des Transkriptionsfaktors NF-kappaB an DNA gehemmt. Damit greift 13-HOTE genregulatorisch in die TNF α-Produktion in Makrophagen ein.

Der erste pflanzliche TNF α-Hemmer

13-HOTE ist in den Blättern nur spurenweise vorhanden. Durch umfangreiche Naturstoff-Screenings, ein hohes Droge-Extrakt-Verhältnis von 19 – 31:1 und die Verwendung von Iso-Propanol als Extraktionsmittel gelang die Herstellung eines auf 13-HOTE standardisierten wirksamen Spezialextrakts, der als pflanzliches Arzneimittel Hox alpha® im Handel ist. Eine Hartkapsel enthält 145 mg Spezial-Trockenextrakt aus Brennnesselblättern. In einem standardisierten Bioassay reduzierte das Phytopharmakon die Sekretion von TNF α aus Monozyten gesunder Probanden um bis zu 65 %. Dabei ist die Hemmung dosisabhängig. Außerdem verringerte das pflanzliche Arzneimittel dosisabhängig die Sekretion von IL-1β um bis zu 80 %. Weiterhin wurde in vitro die Produktion von knorpelabbauenden Enzymen in humanen Chondrozyten gehemmt.

Bewährt bei Arthrose

In einer multizentrischen Anwendungsbeobachtung [1] – bei zwei niedergelassenen Ärzten durchgeführt – wurden 20 Patienten über drei Monate mit Hox alpha® behandelt. Die Patienten, die über eine schmerzhafte Gon- oder Coxarthrose klagten, erhielten täglich zwei bis drei Kapseln des pflanzlichen Arzneimittels. Alle Patienten führten während der Studie ein Patiententagebuch. Hier dokumentierten sie am Morgen die medikamentöse Schmerzbehandlung des Vortages sowie den Schmerzgrad auf einer fünfstufigen Skala. Bei der Auswertung der Tagebücher wurde im Prä-Post-Vergleich ein dosisabhängiger Unterschied beim Rückgang der Beschwerden festgestellt. Bei Patienten, die täglich drei Kapseln einnahmen, reduzierten sich die Gelenkschmerzen um 45 %. Bei der Einnahme von täglich zwei Kapseln nahmen die Schmerzen um 36 % ab. Stuften anfangs alle Patienten ihre Schmerzintensität als "starke Schmerzen" ein, wurde am Studienende von durchschnittlich "leichten Schmerzen" berichtet. Dabei war die Schmerzabnahme in den ersten vier Wochen am stärksten, um sich dann auf niedrigem Niveau zu stabilisieren. Die Auswertung des validierten Gon- und Coxarthrosefragebogens (WOMAC) erbrachte folgende Ergebnisse: Die Schmerzen reduzierten sich während der Studie durchschnittlich um 29 %, die Gelenksteifigkeit um 35 % und die Gelenkfunktion verbesserte sich um 32 %. Unter Hox alpha® kam es im Vollblut der Patienten zu einer deutlichen Abnahme der proinflammatorischen Zytokine, was mit der Abnahme der Beschwerden korrelierte. Mit der Dauer der Einnahme verminderte sich die Konzentration von TNF α um 26 % (täglich zwei Kapseln) und um bis zu 34 % (täglich drei Kapseln). Die Sekretion von IL-1β wurde nach vier Wochen mit durchschnittlich 57,8 % am stärksten gehemmt.

82 % der Ärzte und Patienten beurteilten die Wirksamkeit mit "gut" und "sehr gut". Die Verträglichkeit wurde von allen Patienten ebenso mit "gut" oder "sehr gut" beurteilt. Unerwünschte Begleiterscheinungen traten nicht auf. In weiteren Studien mit Hox alpha® wurden auch bei großen Patientenzahlen die gleichen guten Ergebnisse erzielt! Darüber hinaus war es möglich, dass Patienten unter Hox alpha® ihre NSAR reduzieren oder ganz absetzen konnten, was in Anbetracht der Nebenwirkungen der NSAR eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität der Arthrose-Patienten bedeutete. Damit verfügt der Arzt über ein wirksames und gut verträgliches Phytopharmakon zur Arthrose-Therapie, das auch für eine Langzeitbehandlung geeignet ist.


Literatur:
1) F. Wolf, K. Gubin, F. Mielke: Aktivierte Arthrose – Brennnesselblätter-Extrakt mit Leitsubstanz HOTrE (Strat 59) hemmt Tumor-Nekrose-Faktor-α, Der Kassenarzt Heft 16/2001


Autor.

Ernst-Albert Meyer

Fachapotheker für Offizin-Pharmazie und Medizin-Journalist
31840 Hessisch Oldendorf