Wie schon vor über zehn Jahren von der Ärzteschaft prognostiziert, erleben wir nun die ersten schmerzlich empfundenen Versorgungslücken im Land. Die Bundesebene hat gesetzliche Regelungen geschaffen, die letztlich das Verschenken unserer ärztlichen Leistungen an die Wähler festschreiben: Versorgung auf der Basis von Selbstausbeutung.

Die Budgetierung im ambulanten Bereich, eingeführt, um das Versprechen des allverfügbaren Füllhorns jeglicher gewünschten Versorgung aufrechtzuerhalten. Alle haben "Anspruch", natürlich "kostenlos", und werden angehalten, dies auch von den sogenannten Leistungserbringern ohne jede Eigenverantwortung einzufordern. Dem Leistungserbringer soll es dann obliegen, notwendig, wirtschaftlich, ausreichend und zweckmäßig innerhalb seines begrenzten Budgets zu behandeln. So etwas geht nicht ewig gut. Irgendwann knallt es. Wie wird es weitergehen, wenn in den nächsten vier Jahren immer weniger der frei werdenden Arztstellen nachbesetzt werden können? Was wird mit der Sicherstellung werden? Von der Politik werden wir eingelullt und gut gelaunte Protagonisten verkünden geplante Maßnahmen wie Landarztquote, Telemedizin, Digitalisierung und anderes als Lösung aller Probleme. Wird das reichen? Ganz klar: Nein! Man wird sich ernsthaft um die Rahmenbedingungen kümmern müssen. Budgetierung und Bedarfsplanung, Arztverhinderungsinstrumente, die in den 1990er-Jahren vom Gesetzgeber ersonnen und schließlich implementiert wurden, müssen angepackt werden. Nicht wir, sondern wiederum der Gesetzgeber ist hier verantwortlich! Weitere Gesetze, die versuchen, diejenigen, die noch im System sind, zu mehr Arbeit zu zwingen, werden nicht erfolgreich sein.

Können wir noch sicherstellen, wenn dort, wo früher zwei Ärzte waren, künftig nur noch einer sein wird? Ja, wir können. Begriffe wie "Anspruch auf" und "kostenlos" werden sich dann allerdings zum Leidwesen der "Verschenker" relativieren. Die Patienten aber werden uns verstehen. Wir werden die riesige Ressource "Überinanspruchnahme" heben und dazu übergehen, eine rationale, evidenzbasierte und qualitativ hochwertige Medizin zu machen, für die Menschen, die tatsächlich krank sind und uns wieder als "Patienten" und nicht als "Anspruchsberechtigte" konsultieren. Nur für diese Menschen ist der Sicherstellungsauftrag ursprünglich auch gedacht gewesen. Wir lassen uns nicht mehr verschenken! Und zur Sicherstellung: Ja, wir schaffen das!



Autor:

Dr. Peter Heinz

Facharzt für Allgemeinmedizin
Vorsitzender des Vorstands der KV Rheinland-Pfalz
55015 Mainz

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2020; 42 (7) Seite 5