Das Träumen – definiert als subjektives Erleben während des Schlafes – spiegelt das Wacherleben wider. Und hier kommen auch Themen rund um die Gesundheit ins Spiel. Tatsächlich zeigte sich, dass gesundheitsbezogene Sorgen den stärksten Einflussfaktor auf die Häufigkeit von Träumen zum Thema Gesundheit haben. Basierend auf diesen Befunden können Träume auch in der allgemeinärztlichen Praxis hilfreich sein.

Das Träumen ist nicht direkt zugänglich, sondern nur über den Traumbericht, also das, was die Person nach dem Aufwachen über das, was sie vor dem Aufwachen erlebt hat, erinnern kann. Die durchschnittliche Traumerinnerung in Deutschland liegt nach einer repräsentativen Studie bei ca. einem Morgen pro Woche [7]; allerdings ist die Variabilität hoch, es gibt Menschen, die sich fast jede Nacht erinnern können, während andere angeben, seit Jahren nicht geträumt zu haben – genau genommen, sich nicht erinnern können, geträumt zu haben.

Träume spiegeln das Wachleben wider

Die Befunde der Traumforschung [7] belegen die sogenannte Kontinuitätshypothese des Träumens, d. h., die Träume spiegeln vor allem emotional wichtige Inhalte des Wachlebens wider. So träumen Sportstudierende häufiger von Sport als Psychologiestudierende, Musikstudierende häufiger von Musik, Politikstudierende häufiger von politischen Themen usw. [7].

Eine zweite Quelle der Träume sind externe und interne Reize, die während des Schlafes vorliegen. In experimentellen Studien wurden Töne, Worte, Wassertropfen, Geruchsreize und auch Schmerzreize verwendet; dabei zeigte sich, dass ein Teil der applizierten Reize tatsächlich in den Traum aufgenommen und zum Teil weiterverarbeitet wurde [7]. Ein methodisches Problem, gerade bei Schmerzreizen, ist die hohe Wahrscheinlichkeit, dass ein zu starker Reiz zum Erwachen führt und somit nicht in den Traum eingebaut werden kann.

Für das Thema Gesundheit, Schmerz und Traum bedeutet das, dass es zwei Wege gibt, wie Träume beeinflusst werden können: einerseits über das Erleben von Krankheitssymptomen am Tage und andererseits über Symptome, die direkt während des Schlafes auf das Träumen einwirken.

Schlechte Gesundheit, mehr Alpträume

Auch wenn Träume eine lange Tradition in den Heilkünsten haben, z. B. die Inkubationsriten in Asklepios-Tempeln oder bei berühmten Ärzten wie Galenos von Pergamon oder Hippokrates von Kos [4], liegen wenige aktuelle empirische Arbeiten zu dem Thema vor. Schlechte physische Gesundheit ist verbunden mit einer erhöhten Alptraumhäufigkeit [1]; dies deutet auf eine Kontinuität zwischen Wach und Traum hin. Eine eigene Studie [8] erfasste die Häufigkeit gesundheitsbezogener Träume in Prozent aller erinnerten Träume sowie das Auftreten von Erkrankungen und gesundheitsbezogenen Sorgen ("Haben Sie sich in den vergangenen 4 Wochen im Wachzustand Sorgen um Ihre Gesundheit gemacht? 0 = gar nicht bis 4 = viel mehr als sonst). Insgesamt nahmen 178 Personen (112 Frauen, 66 Männer) im Alter von 16 bis 82 Jahren (Mittelwert: 34,0 ± 16,5 Jahre) teil. Das Auftreten von gesundheitsbezogenen Träumen wurde von 34,1 % der Stichprobe bejaht.

Während das Vorliegen einer Erkrankung (meist Erkältung) in den letzten 4 Wochen zu dem Auftreten von gesundheitsbezogenen Träumen beitrug, war der Hauptfaktor das Ausmaß der gesundheitsbezogenen Sorgen. Das heißt, gesundheitsbezogene Träume spiegeln hauptsächlich die gedankliche Beschäftigung mit dem Thema im Wachzustand wider.

Schmerzen im Traum

Interessanterweise gibt es eine überlieferte Redensart, dass man sich kneifen soll, um zu testen, ob man träumt: Tut es weh, ist man wach, tut es nicht weh, träumt man. Das spiegelt die Einstellung wider, dass im Traum keine Schmerzen auftreten können. Tatsächlich zeigt sich jedoch, dass Schmerzen in Träumen auftreten können, allerdings sehr selten (siehe Tabelle 1).

Das Traumbeispiel in Kasten 1 gibt ein Beispiel, wie sich ein Schmerz, der während des Schlafes auftrat, kunstvoll in die Traumhandlung eingliedert. Allerdings ist es auch möglich, dass die Schmerzen im Traum "nur" geträumt sind; Anhaltspunkte ergaben sich in der Traumserie [6], da eine Großzahl der geträumten Schmerzerlebnisse dem Träumer aus dem Wachleben gar nicht bekannt war.

Schmerzträume bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen

Bisher liegen nur sehr wenige Traumstudien bei Schmerzpatienten vor. So berichteten Raymond et al. [5], dass Schmerzträume von 11 der 28 Patienten, die wegen schwerer Verbrennungen hospitalisiert waren, berichtet wurden. In allen Fällen stimmte die Lokalisierung der Schmerzen im Traum mit der im Wachzustand überein, was also für eine direkte Beeinflussung des Traumes durch die Schmerzreize während des Schlafes spricht. In einer eigenen Studie [10] wurden 100 Patienten (63 Frauen und 37 Männer) mit chronischen Rückenschmerzen (Schmerzambulanz des Universitätsklinikums Frankfurt) zu Träumen befragt. Wie erwartet war die subjektive Einschätzung der physischen Gesundheit (SF-12, Fragebogen zum Gesundheitszustand) deutlich geringer in der Patientengruppe als in der Kontrollgruppe (s. Tabelle 2), auch die psychische Gesundheit wurde etwas niedriger eingeschätzt. Insgesamt waren die Traumgefühle ebenfalls deutlich negativer, der Gruppenunterschied wurde jedoch durch die niedrigere körperliche und psychische Gesundheit erklärt. Nur 16,0 % der chronischen Schmerzpatienten berichteten einen Schmerztraum, das war zwar signifikant mehr im Vergleich zur Kontrollgruppe, jedoch sehr wenig, wenn man bedenkt, dass die Schmerzen – meist schon seit Jahren – chronisch erlebt werden und zu einer massiven Beeinträchtigung der Lebensqualität führen.

Kasten 1: Schmerz im Traum – ein Beispiel

"Ich befand mich auf einer Landpartie, wobei die Wege schlecht gangbar, feucht und steil waren. Im Hinblick darauf bot ich einer anwesenden jungen Dame an, ich wollte sie tragen, bis die Wege besser würden. Sie willigte ein und nun trug ich sie nicht ohne Mühe immer weiter, unter stetigem, buntem Wechsel der landschaftlichen Szenerie."

Nach dem Erwachen verspürte ich denselben Schmerz, den ich bei der Vorstellung des Tragens im Traum gehabt hatte. (Quelle: [12])

Interessanterweise zeigte sich ein signifikanter Unterschied bei der Schmerzempfindung nach dem Erwachen: Bei Schmerzpatienten blieb der Traumschmerz häufiger weiter bestehen, während bei den Kontrollen auch Träume auftraten, in denen der Schmerz nach dem Erwachen weg war. Die Erklärung dafür wäre, dass ein Teil der Schmerzträume durch einen tatsächlichen Schmerzreiz während des Schlafes beeinflusst wird (bei chronischen Schmerzen sehr wahrscheinlich, dass dieser vorlag), während bei Gesunden auch von Schmerzerleben "nur" geträumt werden kann.

Kasten 2: Fiebertraum – ein Beispiel

Ich laufe in einer Stadt herum, die in einer Talsenke liegt, es könnte Italien sein, es ist in der Abenddämmerung und ein relativ kühler Wind weht. Ich habe eine Stola um die Schultern, in die ich mich einwickle. Es sollte ein gemütlicher Spaziergang vor dem Schlafengehen werden. Plötzlich weht ein heißer Wind durch die Straßen. Ich weiß nicht mehr, wo in der Stadt ich bin, und es wird immer heißer. Meine Stola habe ich verloren und habe auch keine Schuhe mehr an, die Füße patschen über die recht kühlen Kopfsteine der Straße, und ich habe das Gefühl, schnell weglaufen zu müssen. Die Luft ist inzwischen so heiß, dass es wehtut, zu atmen. Ein Gefühl in der Magengegend sagt mir, es ist nicht gut, auf der Straße zu bleiben, ich beginne zu laufen, dann zu rennen, weiß aber nicht wohin, alles wird fremd um mich herum, die Häuser werden riesig und ein dumpfes Grollen ist vom Berg zu hören, an dessen Fuß die Stadt liegt. Ich sehe ein rötliches Glimmen aus den Augenwinkeln, und als ich mich umdrehe, sehe ich, dass es eine riesige Kugel aus Lava ist, die wie ein Springball den Berg runterrollt, auf die Stadt zu, auf mich zu. Ich renne immer schneller, die Luft wird noch heißer, die Lavakugel ändert mit mir die Richtung, den Häusern tut sie nichts an, aber sie verfolgt mich, als hätte sie den Auftrag, mich zu kriegen Als sie mich erreicht hat, umfließt mich die Lava, und ich wache auf.

Es hat nicht mehr wehgetan, die heiße Luft eingeatmet zu haben; nur in der Lunge und Luftröhre und Nase hat es wehgetan. (Quelle: [9])

Fieberträume

Fieberträume sind nicht direkt für die praktische klinische Arbeit relevant, da Fieber ganz einfach mit dem Thermometer bestimmt wird. Allerdings ist es ein spannendes Thema für die Grundlagenforschung: Was macht das Bewusstsein, wenn das Gehirn, die biologische Maschine, überhitzt ist? Der Traum in Kasten 2 ist ein eindrückliches Beispiel. Tatsächlich zeigte ein Vergleich zwischen 90 Fieberträumen und 90 normalen Träumen (nach Traumlänge sprich Wortzahl gematcht), dass Fieberträume bizarrer, negativ getönter sind und mehr Temperaturwahrnehmungen enthalten [9]. Dies spricht wieder für einen direkten Effekt der Physiologie auf das Traumerleben.

Fazit für die Praxis
Träume spiegeln einerseits direkt Symptome wie Schmerzen und Fieber wider, auf der anderen Seite geben sie Aufschluss über das Wachbefinden, z. B. Sorgen um die eigene Gesundheit, das Ausmaß der subjektiv eingeschätzten Beeinträchtigungen durch die Erkrankung. So kann die Frage nach gesundheitsbezogenen Träumen auch in der heutigen Allgemeinarztpraxis eine sinnvolle Ergänzung darstellen.


Literatur
1. Asplund R (2003) Nightmares in relation to health, sleep and somatic symptoms in the elderly. Sleep and Hypnosis 5:175-181
2. Knoth IS, Schredl M (2011) Physical pain, mental pain and malaise in dreams. Int. J. Dream Res. 4:17-23
3. Moverley M, Schredl M, Göritz AS (2018) Media dreaming and media consumption – An online study. Int. J. Dream Res. 11:127-134
4. Paditz E (2017) Schlaf und Traum in der hippokratischen Medizin. kleanthes, Dresden
5. Raymond I, Nielsen TA, Lavigne G et al. (2002) Incorporation of pain in dreams of hospitalized burn victims. Sleep 25:765-770
6. Schredl M (2011) Frequency and nature of pain in a long dream series. Sleep and Hypnosis 13:1-6
7. Schredl M (2013) Träume – Unser nächtliches Kopfkino (2. Auflage). Springer Spektrum, Berlin
8. Schredl M, Adam K, Beckmann B et al. (2016) Health dreams, health-related worries, and being ill: A questionnaire study. Int. J. Dream Res. 9:82-85
9. Schredl M, Erlacher D (2020) Fever dreams: An online study. Frontiers in Psychology:(angenommen)
10. Schredl M, Kälberer A, Zacharowski K et al. (2017) Pain dreams and dream emotions in patients with chronic back pain and healthy controls. Open Pain Journal 10:65-72
11. Strauch I, Meier B (2004) Dem Traum auf der Spur: Zugang zur modernen Traumforschung (2. Auflage). Hans Huber, Bern
12. Weygandt W (1893) Entstehung der Träume. Grübel & Sommerlatte, Leipzig
13. Zadra AL, Nielsen TA, Germain A et al. (1998) The nature and prevalence of pain in dreams. Pain Research and Management 3:155-161



Autor:

Prof. Dr. Michael Schredl

Wissenschaftlicher Leiter des Schlaflabors
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
68159 Mannheim

Interessenkonflikte: Der Autor hat keine deklariert


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2020; 42 (5) Seite 76-78