Eine Innovation überschwemmt das Land – innerhalb der ersten 48 Stunden haben bereits 8 Millionen Mitbürger in Deutschland die Corona-Warn-App auf ihre Smartphones geladen. Viele Hausärzte haben im Vorfeld die verunsicherten Nutzer dieser App kommen sehen, denen ihr Gerät einen stattgehabten Corona-Kontakt mitteilt. Wie geht man mit diesen Patienten um?

Der Abstrich nach Warnhinweis durch die Corona-Warn-App kann über die neue GOP 02402 abgerechnet werden.Erstaunlich schnell hat diesmal die Kassenärztliche Bundesvereinigung reagiert und eine Abrechnungsmöglichkeit für die Situation geschaffen, dass ein Patient ratsuchend beim Hausarzt erscheint, weil ihm die Corona-App mitteilt, dass er Kontakt zu einem mit SARS-CoV-2-Infizierten gehabt hat. Über die gegenwärtige Regelung hinaus (ein Corona-Abstrich ist Kassenleistung nur bei symptomatischen Patienten) kann in solchen Fällen ein Abstrich durchgeführt werden. Abgerechnet wird dieser vom Hausarzt mit der neu geschaffenen EBM-Ziffer 02402
, die mit 10 Euro vergütet wird, außerhalb der morbiditätsgebundenen Gesamtvergütung, zuzüglich zur Grund- bzw. Versichertenpauschale.

Die Ziffer ist einmal am Behandlungstag ansetzbar. Wird der Patient also mehrmals im Quartal von seiner App gewarnt, kann der Abstrich mehrmals durchgeführt werden und wird jedes Mal honoriert. Abrechenbar ist die 02402 ausschließlich im Zusammenhang mit der Benachrichtigung der App und wenn der Versicherte den Vertragsarzt direkt aufsucht.

Neues Muster 10 c kommt

Für den Auftrag an den Laborarzt muss künftig der neu zu schaffende Vordruck 10 c ausgefüllt werden. Bis dieser existiert, ist das Vordruckmuster 10 erlaubt. Hier muss unter "Auftrag" die Laborpauschale 32811 angegeben werden. (Anm. d. Red.: Das neue Muster 10 c soll ca. Anfang Juli, zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses für diesen Beitrag, produziert sein und an die Labore ausgeliefert werden, die es wiederum an die Ärzte verteilen. Der Allgemeinarzt wird über die Handhbung des neuen Formulars berichten.) Für den Laborarzt selbst wurden für diese Warn-App-induzierten Abstriche eigene Abrechnungsziffern geschaffen, welche die Laboruntersuchung (32811), einen Zuschlag hierfür (12221) sowie die Übermittlungskosten (40101) vergüten.

Wichtig: Damit diese Tests nicht den Wirtschaftlichkeitsbonus gefährden, muss in der Abrechnung unbedingt die Pseudo-GOP 32006 (Ausnahmekennnummer für Erkrankungen mit gesetzlicher Meldepflicht) angesetzt werden. Die Corona-Ausschlussziffer 88240 ist hier nicht möglich, aber auch nicht nötig, da diese Leistungen eindeutig extrabudgetär vergütet werden.

Eine Frage, die auch beim Hausarzt häufig aufkommen wird ist, ob man sich bei einer Risikobenachrichtigung per Warn-App in Quarantäne begeben muss. Hier informiert die KBV darüber, dass die Warnung lediglich als Hinweis dient, dass die Betroffenen einen Arzt aufsuchen sollten. Gleichzeitig wird die die Empfehlung ausgesprochen, soziale Kontakte zu reduzieren. Das Gesundheitsamt schaut sich jeden Fall individuell an und entscheidet, ob eine Quarantäneverordnung notwendig ist, der Arzt entscheidet über eine Krankschreibung. Diese Regelungen gelten vorläufig bis zum 31. März 2021. ▪

In Kürze: Abstrich aufgrund einer Benachrichtigung der Corona-Warn-App
  • Neue EBM-Ziffer 02402 (Abstrich nach Warnhinweis per App (10 Euro; extrabudgetär)
  • Einmal am Behandlungstag, also mehrmals im Quartal ansetzbar
  • Die "Corona-Ziffer" 88192 ist daneben nicht möglich
  • Neuen Vordruck 10 c (bis zu dessen Verfügbarkeit Vordruck 10) verwenden für den Laborauftrag. Als Auftrag hier die 32811 angeben (Laborarzt-Ziffer für diesen Fall)
  • Ausschlussziffer 32006 unbedingt bei der Abrechnung angeben (damit wird der Wirtschaftlichkeitsbonus für das Labor nicht gefährdet)



Autor:

Dr. med. Gerhard Bawidamann

Facharzt für Allgemeinmedizin
93152 Nittendorf

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2020; 42 (12) Seite 54-55