Troncone A, Bonfanti R, Iafusco D, Rabbone I, Sabbion A et al.; Neapel, Italien; Diabetes Care 2016; 39: 2158 – 2164

Einführung: In der Studie wurden die Erfahrungen untersucht, die Kinder mit Typ-1-Diabetes und deren Eltern mit einem artifiziellen Pankreas während eines 7-tägigen Diabetescamps gesammelt haben.

Methodik: Am Ende der klinischen Studie wurde ein semistrukturiertes Interview durchgeführt, das sich auf der Basis des Modells zur Akzeptanz von Technologie aus 14 Fragen zusammensetzte. Außerdem bearbeiteten die Teilnehmer einen Fragebogen zur Zufriedenheit mit der Diabetestherapie (DTSQ, Elternversion) und einen Fragebogen zur Akzeptanz des artifiziellen Pankreas (AP Acceptance Questionnaire).

Ergebnisse: 30 Kinder im Alter zwischen 5 und 9 Jahren und deren Eltern schlossen die Studie ab. Die Inhaltsanalysen der Interviews zeigten, dass sich die Eltern auf das Verständnis der Mechanismen, die Risiken und die Vorteile der neuen Technologie konzentrierten. Dagegen fokussierten die Kinder auf die Neuigkeit des Systems. Die Hauptsorge der Eltern beim Einsatz des neuen Systems bezog sich auf die Qualität der Stoffwechseleinstellung. Die mittleren Werte in den DTSQ Subskalen zeigten eine allgemeine Zufriedenheit der Eltern (44,24 ± 5,99, Spanne 32 bis 53) und eine optimistische Perspektive bezogen auf die Qualität der Stoffwechseleinstellung durch das neue System (7,8 ± 2,2, Spanne 3 bis 12). Der Fragebogen zur Akzeptanz des AP ergab, dass die meisten Eltern das AP-System als einfach zu bedienen einschätzten (70,5 %), es langfristig nutzen wollten (94,0 %), und den Eindruck hatten, dass es die Blutzuckerwerte verbessern könnte (67,0 %).

Schlussfolgerung: Die Teilnehmer gaben eine positive Haltung gegenüber dem AP an. Weitere Studien sind notwendig, um die Sicht der Teilnehmer frühzeitig während der Entwicklung eines AP zu erfassen und die neue Behandlungstechnologie so gut wie möglich daran anzupassen. So kann das System optimal auf deren Bedürfnisse und Wichtigkeiten zugeschnitten werden.

Kommentar: Obwohl die Kinder das AP-System nur über drei Tage getragen hatten, bekamen die Eltern einen ersten Eindruck von den damit verbundenen psychischen Herausforderungen im Alltag. Die bisher gewohnte Eigenverantwortung für die Therapie wurde teilweise an das System abgegeben. Die Unsicherheit, ob das System wirklich sicher ist und die Alarme stellten für die hoch motivierten Eltern große Herausforderungen dar. Hier bleibt abzuwarten, ob sich diese ersten Sorgen mit zunehmender Erfahrung auflösen und damit die benannten Vorteile des AP zum Tragen kommen.



Autorin: Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange
Diplom-Psychologin, Fachpsychologin Diabetes DDG
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2017; 17 (1) Seite 38