Gagnum V, Stene LC, Jenssen TG, Berteussen LM, Sandvik L, Joner G, Njolstad PR, Skrivarhaug T; Oslo, Norwegen; Diabet Med 2017; 34: 56 – 63

Fragestellung: Ziel war die Untersuchung der Todesursachen und der ursachenspezifischen standardisierten Mortalitätsraten in zwei nationalen, populationsbasierten Kohorten, welche während der Zeiträume 1973 – 1982 und 1989 – 2012 mit Typ-1-Diabetes diagnostiziert wurden; sowie die Bewertung von Änderungen der Todesursachen im Beobachtungszeitraum.

Methodik: Personen mit Typ-1-Diabetes, welche zum Zeitpunkt einer Diagnose < 15 Jahre alt waren, wurden im norwegischen Kindheits-Diabetesregister identifiziert und nachbeobachtet bis zum Tode, einer Emigration, oder bis September 2013 (n = 7 871). Todesursachen wurden erfasst durch Zusammenführung der Daten mit dem nationalen Todesursachenregister, sowie durch ein Review-Gremium welches medizinische Aufzeichnungen, Autopsieberichte und Todeszertifikate auswertete.

Ergebnisse: Während eines mittleren (Range) Nachbeobachtungszeitraumes von 16,8 (0 bis 40,7) Jahren verstarben 241 Individuen (3,1 %), welche 132 143 Personenjahre ausmachten. Die führende Todesursache in einem Alter unter 30 Jahren waren akute Komplikationen (41/119, 34,5 %). In einem Alter von über 30 Jahren waren kardiovaskuläre Erkrankungen prädominant (41/122, 33,6 %), obwohl Tod durch akute Komplikationen weiterhin bedeutsam war in dieser Gruppe (22/122, 18,0 %). Insgesamt 5 % der Todesfälle waren verursacht durch das „Tod-im-Bett-Syndrom“. Die standardisierten Mortalitätsraten waren bei beiden Geschlechtern kombiniert erhöht fur kardiovaskuläre Erkrankungen [11,9 (95 % CI 8,6 – 16,4)] und gewaltsamen Tod [1,7 (95 % CI 1,3 – 2,1)], jedoch lediglich bei Frauen erhöht für Suizid [2,5 (95 % CI 1,2 – 5,3)]. Das Risiko für Tod durch akute Komplikationen lag bei Frauen etwa zur Hälfte niedriger als bei Männern [Ereignisrate 0,43 (95 % CI 0,25 – 0,76)], änderte sich jedoch nicht bei einem zeitnäheren Jahr der Diagnose [Ereignisrate 1,02 (0,98 – 1,05)].

Schlussfolgerung: Während des Studienzeitraumes zeigte sich keine Änderung in der auf akute Komplikationen zuruckzuführenden Mortalitat. Ein Schwerpunkt auf die Prävention von akuten Komplikationen ist notwendig, um frühzeitige Mortalität bei Personen mit in der Kindheit manifestiertem Diabetes zu verringern. Männliches Geschlecht beinhaltete ein erhöhtes Risiko.

Kommentar: Diese Studie aus Norwegen zeigt bei Personen mit in der Kindheit manifestiertem Typ-1-Diabetes unverändert hohe Todesraten durch akute Komplikationen, insbesondere bei männlichen Patienten und trotz anzunehmender verbesserter Diabeteserkennung und Therapie. Die Autoren legen nahe, dass eine Verbesserung von Diabetesschulung und psychosozialer Unterstützung in diesem Kontext essentiell sein könnte.



Autor: Dr. med. Martin O. Weickert
University of Warwick (UK)

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2017; 17 (1) Seite 34-35