Röhling M, Strom A, Bönhof G, Püttgen S, Bodis K, Müssig K, Szendrödi J, Markgraf D, Lehr S, Roden M, Ziegler D für The German Diabetes Study Group. Institut für Klinische Diabetologie, Deutsches Diabetes Zentrum, Leibniz Zentrum für Diabetesforschung an der Heinrich Heine Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland; Diabetes Care 2017; 40(2): 246 – 252

Fragestellung: Beides, eingeschränkte kardiorespiratorische Fitness (CRF) und eingeschränkte Herzfrequenzvariation (HRV) sind Prädiktoren von Mortalität, aber ihre Rolle bei neu manifestiertem Diabetes ist unbekannt. Es wurde bestimmt, in welchem Ausmaß CRF und HRV reduziert und miteinander verknüpft sind bei neu manifestiertem Diabetes.

Studiendesign und Methoden: Teilnehmer an der German Diabetes Study mit Typ-1- (n = 163) und Typ-2-Diabetes (n = 168) mit einer bekannten Diabetesdauer von < 1 Jahr sowie 2 altersgematchte glukosetolerante Kontrollgruppen (n =  jeweils 40) wurden einer Spiroergometrie und HRV-Messungen unterzogen während eines hyperinsulinämisch-euglykämischen Clamps.

Resultate: Verglichen mit Kontrollpersonen zeigten Patienten mit Typ-2-Diabetes einen reduzierten VO2 max (Median [1. – 3. Quartile] 19,3 [16,5 – 22,9] vs. 25,6 [20,7 – 29,9] ml/kg KG/ min; p < 0,05), verringerten VCO2 max (23,0 [19,1 – 26,8] vs. 30,9 [24,5 – 34,4] ml/kg KG/ min; p < 0,05), verzögerten Herzfrequenzabfall nach 2 Min. (-29,0 [-35,0 bis – 23,0] vs. -36,0 [-42,8 bis – 28,0] Schläge/Min. ; p < 0,05) und reduzierte HRV in vier von neun Indizes, während Patienten mit Typ-1-Diabetes eine unveränderte CRF, aber reduzierte HRV in drei von neun Indizes (p < 0,05) aufwiesen, was auf eine verminderte vagale und sympathische HRV-Modulation hinweist. HRV-Messungen korrelierten mit VO2 max bei Patienten mit Typ-1-Diabetes (r > 0,34; p < 0,05), aber nicht bei solchen mit Typ-2-Diabetes.

Schlußfolgerung: CRF ist reduziert bei neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes, aber erhalten bei Typ-1-Diabetes, während die kardiale autonome Funktion eingeschränkt ist bei beiden Diabetes-Typen, aber streng assoziiert ist mit CRF nur bei Typ-1-Diabetes. Diese Resultate unterstützen das Konzept, die physische Fitness früh im Verlauf des Dia­betes zu fördern.

Kommentar: Die Untersuchung zeigt zwei Dinge: 1. die kardiale autonome Dysfunktion ist eine frühe Begleiterscheinung bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes und kann die Anpassung an körperliche Belastung stören. 2. Bei neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes ist die eingeschränkte CRF aber eher Ausdruck der Gesamtsituation bei metabolischem Syndrom mit geringer körperlicher Aktivität und weniger der autonomen Dysfunktion. Kardiopulmonales Ausdauertraining verbessert bekanntermaßen die kardiale autonome Funktion und die CRF.



Autor: Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz
Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie Ernährungsmedizin
DKD HELIOS Klinik
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2017; 17 (2) Seite 53