Lang EG, King BR, Miller MN, Dunn SV, Price DA, Foskett DC; Helensvale, Queensland, Australia; Pediatric Diabetes 2017; 18: 26 – 32

Zielsetzung: Ziel der Studie war es, zu untersuchen, ob die frühe Einführung der Insulinpumpentherapie bei Kindern mit Typ-1-Diabetes zu einer verbesserten Stoffwechselkontrolle und verbesserter Lebensqualität führt im Vergleich zu einer späteren Einführung der Insulinpumpentherapie.

Methode: 38 Patienten (Alter 12,6 + 4,9 Jahre, 32 männlich) bildeten die Gruppe der frühen Pumpentherapie und 37 Patienten (Alter 13,1 + 4,1 Jahre, 19 männlich) die Gruppe mit später Pumpentherapie. HbA1c-Wert, Zahl der schweren Hypoglykämien, ketoazidotische Entgleisungen wurden retrospektiv über 48 Monate gesammelt. Die Probanden und/oder ihre Eltern wurden jeweils mit einem pädiatrie- und dia­betesspezifischen Fragebogen zur Lebensqualität befragt.

Ergebnisse: Die HbA1c-Werte waren niedriger in der Gruppe mit früher Pumpentherapie (6,8 %; 51 mmol/mol) im Vergleich zur Gruppe mit spätem Beginn der Pumpentherapie (7,9 %; 63 mmol/mol). Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich über 48 Monate (p < 0,0001). Es zeigte sich keine signifikante Differenz in der Rate (pro Patientenjahr) schwerer Hypoglykämien (0,02; 0,07) zwischen den beiden Gruppen (p = 0,075). In keiner Gruppe fanden sich ketoazidotische Entgleisungen. Eine signifikante Differenz bezüglich der Lebensqualität zwischen den beiden Gruppen war nicht vorhanden. Beide Gruppen zeigten eine hohe Therapiezufriedenheit.

Schlussfolgerungen: Ein früherer Beginn der Insulinpumpentherapie nach Manifestation eines Typ-1-Diabetes im Kindesalter führt in der Folge zu niedrigeren HbA1c-Werten. Hypoglykämierate, Ketoazidoserate oder Lebensqualität zeigt sich unbeeinflusst vom Zeitpunkt der Einführung einer Pumpentherapie.

Kommentar: Als frühe Einführung der Pumpentherapie definiert die vorliegende Studie einen Zeitraum von 30 Tagen nach Manifestation. Die späte Pumpentherapie wurde definiert als Einführung nach 12 Monaten oder mehr nach Diagnosestellung. Mit einem Beobachtungszeitraum von 48 Monaten überblickt die Analyse einen aussagekräftigen Zeitraum. Auch wenn die jeweiligen Gruppen mit weniger als 40 Patienten relativ klein sind, geben die Ergebnisse Anlass zum Überdenken eigener Therapiestrategien. Allerdings wirft die Studie auch Fragen nach dem angewandten therapeutischen Regime auf, wenn man bedenkt, dass der HbA1c-Wert ohne Pumpentherapie 12 Monate nach Diagnosestellung mit 7,9 % vergleichsweise hoch und über dem therapeutischen Zielwert von 7,5 % liegt.



Autor: Dr. med. Andreas Neu
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Tübingen
Hoppe-Seyler-Str. 1
72076 Tübingen
Tel.: 07071/29-83810

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2017; 17 (2) Seite 48-49