Lundberg M, Seiron P, Ingvast S, Korsgren O, Skog O; Uppsala, Sweden; Diabetologia 2017; 60: 346 – 353

Hintergrund: Entsprechend den für Typ-1-Diabetes entwickelten Konsensuskriterien, wird bei einer Person dann eine Insulitis diagnostiziert, wenn ≥ 15 CD45 + Zellen im Parenchym oder im Bereich zwischen Insel und exokrinen Gewebe bei ≥ 3 Langerhans‘schen Inseln gefunden werden. Ziel der aktuellen Studie war es, die Frequenz einer Insulitis nach diesen Kriterien bei Personen mit Typ-2-Diabetes auszumachen und mit nicht-diabetischen Personen und Personen mit Typ-1-Diabetes zu vergleichen.

Methodik: Anhand von CD45 + Zellen in den Pankreata von 50, 13 und 44 Organspendern mit Typ-2-Diabetes, Typ-1-Diabetes und ohne Diabetes wurde das Vorkommen einer Insulitis untersucht. CD3 + Zellen (T-Zellen), die Inseln infiltrierten, wurden bei insulinitischen Spendern analysiert. Bei insulinitischen Spendern mit Typ-2-Diabetes wurden die Pankreata auf CD68 (Makrophagen), Myeloperoxidase (MPO, Neutrophile), CD3, CD20 (Betazellen) und HLA-Klasse-I überexprimierenden Zellen untersucht. Bei allen Typ-2-Diabetes-Spendern wurde auf potentielle Korrelationen der Insulitis mit dynamisch-stimulierter Insulinsekretion in vitro oder Alter, BMI, HbA1c oder Autoantikörperpositivität untersucht.

Ergebnisse: Insgesamt erfüllten 28 % der Typ-2-Diabetes-Spender die Typ-1-Diabetes-Konsensuskriterien für eine Insulitis. Von den Typ-1-Diabetes-Spendern wiesen 31 % diese Kriterien auf. Niemand von den nicht-diabetischen Spendern erfüllte diese Kriterien. Nur Typ-1-Diabetes-Spender wiesen ≥ 15 CD3 + Zellen bei ≥ 3 Inseln auf. Typ-2-Diabetes-Spender mit Insulitis wiesen auch eine substantielle Menge an CD45 + Zellen im exokrinen Parenchym auf. Makrophagen waren die meist vertretenen Zellen, die CD45 + waren, gefolgt von Neutrophilen und T-Zellen. Von den Typ-2-Diabetes-Pankreata mit Insulitis enthielten 36 % Inseln die HLA-Klasse-I überexprimiert hatten. Isolierte Zellen von Typ-2-Dia­betes-Spendern schütteten weniger Insulin aus als Kontrollen, auch wenn die dynamische Antwort erhalten blieb. Die Insulitis bei Typ-2-Diabetes-Spendern korrelierte nicht mit der Glukose-stimulierten Insulinsekretion, der Anwesenheit von Autoantikörpern, BMI oder HbA1c.

Schlussfolgerung: Mit der aktuellen Definition einer Insulitis kann man Pankreata von Personen mit Typ-1-Diabetes nicht von Personen mit Typ-2-Diabetes unterscheiden. Auf der Basis der hier beschriebenen Erkenntnisse schlagen die Autoren eine revidierte Definition für eine Insulitis vor und empfehlen dann die positive Diagnose Insulitis wenn ≥ 15 CD3 + Zellen und nicht CD45 + Zellen gefunden werden in ≥ 3 Inseln.

Kommentar: Diese Arbeit zeigt, wie wichtig es ist, gute Vergleichsgruppen zu haben. Auch wenn man sich fragen kann, wie es Organspendern „physiologisch“ und „immunologisch“ geht, scheint der Vergleich mit Kontrollpersonen,die ebenfalls Organspender sind, adäquat. Interessant ist, dass sich anhand des Kriteriums CD45-Positivität Typ-1 und Typ-2-Diabetes-Patienten histologisch nicht unterscheiden, wohl aber, wie erwartet, infiltrierende T-Zellen in der Insulitis bei Typ-1-Diabetes häufiger vorkommen.



Autorin: Prof. Dr. med. Nanette Schloot
Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2017; 17 (1) Seite 33-34