Retnakaran R, Shah BR Lunenfeld-Tannenbaum Research Institute, Mount Sinai Hospital, Toronto, Canada; Diabetes Care 2017; 40(1): 101 – 108

Fragestellung: Frauen mit Gestationsdiabetes (GDM) haben ein erhöhtes Lebenszeitrisiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes (T2DM) und einer kardiovaskulären Erkrankung (CVD) im Vergleich zu Kontrollpersonen. Es ist jedoch nicht bekannt, ob das Risiko für eine CVD von der Entwicklung eines T2DM abhängig ist. Es wurde deshalb die Rolle des T2DM in ihrer Bestimmung der kardiovaskulären Komplikationen bei Frauen mit früherem GDM untersucht.

Studiendesign und Methoden: Alle Frauen in Ontario, Kanada, mit Geburten zwischen April 1994 und März 2014 (n = 1 515 079) wurden in folgende 4 Gruppen unterteilt: Frauen mit GDM, die später einen T2DM entwickelten (n = 15 585, mittleres Alter 32 Jahre); solchen mit GDM, die keinen T2DM entwickelten (n = 41 299, mittleres Alter 32 Jahre); Frauen ohne GDM, die aber später einen T2DM entwickelten (n = 49 397, mittleres Alter 31 Jahre) und solche ohne GDM und ohne T2DM (n = 1 408 798, mittleres Alter 30 Jahre). Die Frauen wurden im Mittel 10,0 Jahre beobachtet bezüglich der Entwicklung mikrovaskulärer und makrovaskulärer Komplikationen.

Resultate: Unter den Frauen mit GDM hatten nur diejenigen, die einen T2DM entwickelten, ein erhöhtes Risiko für Vitrektomie/Photokoagulation (hazard ratio [HR] 4,49; 95 % CI 3,90 – 5,17), Hämodialyse (HR 7,52; 95 % CI 5,24 – 10,81) und stationäre Aufnahme wegen Fußinfektion (HR 4,32; 95 % CI 3,42 – 5,46) (für alle p < 0,0001). Hinsichtlich makrovaskulärer Komplikationen jedoch hatten Frauen mit GDM, die einen T2DM entwickelten, und auch solche, die keinen T2DM entwickelten, ein erhöhtes Risiko für eine CVD (HR 2,82; 2,41 – 3,30; p < 0,0001; und HR 1,30; 1,07 – 1,59; p = 0,0008) und eine KHK (HR 3,54; 2,96 – 4,23; p < 0,0001; und HR 1,41; 1,11 – 1,89; p = 0,0005), obwohl die absoluten Ereignisraten gering waren.

Schlussfolgerung: Frauen mit GDM haben ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen, sogar ohne T2DM. Im Gegensatz dazu entsteht ein mikrovaskuläres Risiko nur bei denjenigen, die einen T2DM entwickeln.

Kommentar: Der GDM als Risikofaktor für einen späteren T2DM bedeutet bereits ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko für die betroffenen Frauen, selbst wenn später kein T2DM manifest wird. Diabetesspezifische mikrovaskuläre Komplikationen zeigen dagegen nur Frauen mit früherem GDM, die später einen T2DM entwickeln. Bisher beachten wir bei Schwangeren und auch nach der Entbindung hauptsächlich den Kohlenhydratstoffwechsel. Die Frage ist, ob das für dieses kardiovaskuläre Risikokollektiv ausreichend ist.



Autor: Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz
Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie Ernährungsmedizin
DKD HELIOS Klinik
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2017; 17 (1) Seite 40-41