Schauer PR, Bhatt DL, Kirwan JP, Wolski K, Aminian A, Brethauer SA, Navaneethan SD, Singh RP, Pothier CE, Nissen SE, Kashyap SR; STAMPEDE Investigators, Cleveland OH, USA; N Engl J Med 2017; 376: 641 – 651

Hintergrund: Langzeit-Ergebnisse aus randomisierten, kontrollierten Studien, die die medizinische mit chirurgischer Therapie bei Patienten mit Typ-2-Diabetes vergleichen sind begrenzt verfügbar

Methodik: Die Autoren untersuchten die 5-Jahres-Daten von 150 Patienten mit Typ-2-Diabetes und einem Body-Mass-Index (BMI; kg/m2), von denen 27 bis 43 Patienten randomisiert der intensiven medikamentösen Gruppe allein oder der intensiven medikamentösen Gruppe plus Roux-en-Y-Magenbypass oder Magenschlauch-Gastrektomie zugewiesen wurden. Der primäre Endpunkt war das glykierte Hämoglobin von 6,0 % oder darunter mit oder ohne Gebrauch von Diabetes-Medikation.

Ergebnisse: Von 150 Patienten, die randomisiert wurden, starb ein Patient während der 5 Jahre Beobachtungszeit; 134 der übrigen 149 Patienten (90 %) komplettierten die 5 Jahre Beobachtungsdauer. Zu Beginn der Studie lag das mittlere (± SD) Alter der 134 Patienten bei 49 ± 8 Jahren, 66 % waren Frauen, das mittlere HbA1c war 9,2 ± 1,5 % und der mittlere BMI betrug 37 ± 3,5 kg/m2. Nach 5 Jahren, wurde der primäre Endpunkt erreicht von 2 der 38 (5 %) Patienten mit alleiniger medikamentöser Therapie im Vergleich zu 14 von 49 Patienten (29 %) mit Magenbypass (nicht adjustierter p = 0,03; adjustiert p = 0,17 in der „Intention to treat“-Analyse). Patienten, die sich einem chirurgischen Eingriff unterzogen, hatten einen größeren Anteil prozentualer Reduktion vom Baseline HbA1c als Patienten mit alleiniger medikamentöser Therapie (2,1 % vs 0,3 %, p = 0,003). Nach 5 Jahren waren die Veränderungen zu Studienbeginn in der bariatrischen Gruppe besser als in der medikamentösen Gruppe, wenn Körpergewicht (-23 %, -19 % und -5 % in der Magenbypassgruppe, der Magenschlauchgruppe und der alleinigen Medikamentengruppe), Trigylzeride (-40 %, -29 % und -8 %), HDL-Cholesterin-Level (32 %, 30 % und 7 %), Gebrauch von Insulin (-35 %, -34 % und -13 %), und Lebensqualität (Score für allgemeine Gesundheit stieg um 17, 16 und 0,3; Scores auf der RAND 36 Skala im Bereich von 0 bis 100, höhere Scores bedeuten eine bessere Gesundheit) betrachtet wurden (p < 0,05 für alle Vergleiche). Es ereigneten sich keine späteren Komplikationen aufgrund der chirurgischen Maßnahmen, wobei in einem Fall eine Re-Operation nötig war.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse 5 Jahren nach Studienbeginn zeigten, dass bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und einem BMI 27 bis 43 die bariatrische Chirurgie in Kombination mit intensiver medikamentöser Therapie effektiver war, in Bezug auf Blutglukosesenkung oder Blutglukosenormalisierung als die intensive medikamentöse Therapie allein.

Kommentar: Hier wird eine „weitere Lanze für die bariatrische Chirurgie gebrochen“. Vorherige, nicht randomisierte Studien wie die SOS-Studie haben bereits ähnliche Daten gezeigt. Nicht nur der Blutzucker wird besser, auch die Mortalität und Folgeerkrankungen werden gebessert, wenn das Gewicht längerfristig durch einen bariatrischen Eingriff drastisch gesenkt werden kann.



Autorin: Prof. Dr. med. Nanette Schloot
Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2017; 17 (2) Seite 52-53